Zeitungssterben und die Marktwirtschaft …

Wer kennt es nicht, im Zug sitzen und eine Zeitung aufschlagen. Oder im Flieger die Printerzeugnisse der Verlage lesen. Die bekommt man ja gratis bevor man einsteigt.
Während hier die Welt noch ein kleines bischen in Ordnung scheint, haben sich in den letzten Jahren die Lesegewohnheiten der Menschen radikal geändert.

Wer daran Schuld ist ? Natürlich das Internet.




Wobei hier von Schuld zu sprechen etwas weit hergeholt ist. Die Marktwirtschaft bringt immer neue technologische Entwicklungen hervor, die anfangs belächelt werden, dann aber nach einigen Monaten und Jahren als Normalität zu bezeichnen sind. Wer hätte schon daran gedacht, dass uns die Passage “Ich geh mal googeln” genau so leicht und flüssig über die Lippen geht wie “Ich geh mal raus.” 
Anfangs sicher niemand, und viele die sich auf diesen Zug frühzeitig zubewegt haben wurden als “Nerds” bezeichnet.
Das war vor vielen Jahren.

Mittlerweile gehört das Suchen nach Inhalten und Mitteilungen im Internet zu unserem Alltag. Ebenso wie Soziale Netzwerke, Twitter ….. die Liste könnte man beliebig fortsetzen.


Aber warum steht dann als Überschrift “Zeitungssterben” ??
Wir finden am heutigen Tage eine Mitteilung unter kress.de, die ein Statement der Bundesagentur für Arbeit spiegelt. Diese lautet:

“Größte Entlassungswelle in der Zeitungsbranche seit 1949”

Und wenn wir den Text weiter lesen finden wir dann einen Hinweis, warum dies so sein soll:

Allein die Insolvenz der “Frankfurter Rundschau”bedroht fast 500 Arbeitsplätze. Bei den G+J Wirtschaftsmedien – die “Financial Times Deutschland” erscheint am kommenden Freitag zum letzten Mal – sind mehr als 300 Mitarbeiter betroffen. Beim Berliner Verlag könnten bis zu 86 Stellen wegfallen. 35 Mitarbeiter wurden bei der Nürnberger “Abendzeitung” arbeitslos.” 

Allerdings betrifft das sicher nicht nur die hier aufgeführten Zeitungen. So wurde in Franken die Nürnberger Nachrichten geschlossen, der Spiegel denkt ebenso über den Abbau von Stellen nach. Und sicher wird es noch weitere Publikationen und/oder Verlage geben, die ebenso über Stellenabbau nachdenken müssen. Warum aber ist das denn so ?

Ganz vereinfacht könnte man sagen: Naja, auch hier gelten die Gesetze des Marktes.
Warum sollten denn ausgerechnet hier andere Regeln gelten als in allen anderen Branchen????

  • Wenn zuviel Konkurrenz vorhanden, gehen einige Pleite. 
  • Wenn man Entwicklungen verschläft und Geschäftsmodelle nicht anpasst geht man eben auch pleite.

Die Frage der Konkurrenz wird sicher nur ein Teil der Antwort sein. Viel wichtiger ist, dass die Verlage und Zeitschriften den Trends des Marktes hinterherhecheln. Und wie das Beispiel Neckermann zeigt reicht es eben nicht nur aus, sich mal eben online zu bewegen. Das Geschäftsmodell dahinter muss stimmen, sonst bringt die beste Webpräsenz nicht den gewünschten Erfolg.

Zudem müssen sich die Verlage und Zeitungen auch die Frage stellen, ob sie die Rolle des sogenannten “Korrektivs” überhaupt noch ausfüllen können. Vielmehr entsteht doch der Eindruck, dass hinter den Kulissen Politik gemacht wird, dass wir als Nutzer dieser Publikationen bei weitem nicht mehr eine unabhängige Berichterstattung sehen. Dies führt auch dazu, dass sowohl die normalen Printausgaben, aber auch die Internetangebote, nicht mehr den gewünschten Umsatz generieren.

Die Verlage haben uns immer wieder schön beschrieben wie toll und wunderbar doch die Marktwirtschaft  ist. Nun bekommen sie ihre eigenen Schlagzeilen zu spüren ….. und können damit nicht wirklich umgehen.

Dazu kommt die aktuell unselige Diskussion um das sogenannte Leistungsschutzrecht (LSR).
Hier zeigt sich noch deutlicher, wie unflexibel die Verlage geworden sind. Anstatt sich Gedanken über vernünftige Geschäftsmodelle zu machen, die auch den Nutzer (wir) da abholt wo er ist, spielt man lieber beleidigtes Kind und ruft sofort nach neuen rechtlichen Regelungen.
Nein, nicht um den User abzuholen, sondern einfach um, ich sag´s mal deutlich, abzukassieren.

Nun mag der ein oder andere von Euch sagen: Aber die Leistung erbringen doch die Verlage.
Klar, das ist auch unbestritten, dass die Verlage die Leistung erbringen (oder sollte man eher sagen: deren Journalisten?). 

Würde es dann allerdings nicht mehr Sinn machen, wenn wir als Nutzer dann für hochwertigen Qualitätsjournalismus bei Interesse an vertieften Inhalten dann auch ein entsprechendes Geschäftsmodell vorgelegt bekommen, bei dem wir entscheiden ob wir zur Zahlung bereit sind oder nicht ?

Nein, man geht den anderen Weg und schreit nach neuen Gesetzen.
Liebe Verleger, selbst wenn das Leistungsschutzrecht den Weg durch den Bundestag finden sollte (was man derzeit bezweifeln darf), werden die Nutzer einen eigenen Weg finden um Euch zu zeigen, was sie davon halten.

Aber ob das die Lösung für die Probleme der Verlage ist ? Man darf es ernsthaft bezweifeln.

2 Punkte am Ende die mich doch bewegen:

  1. Bei all den Diskussionen rund um Geschäftsmodelle und LSR vergisst man leider immer eines: Die Journalisten. Es tut gut auch den Blick auf die Menschen und deren Schicksale zu richten.
  2. Wären wir als Nutzer, unter Berücksichtigung der im Web eingezogenen Gratismentalität,  denn wirklich bereit auch für guten Journalismus zu zahlen ?
Bis neulich ….

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Weitere Informationen zum Leistungsschutzrecht findet Ihr hier.

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