Mumblerelevanzrelativitätstheorie

Was haben Albert Einstein und Mumble-Sitzungen bei den Piraten gemeinsam. Richtig.
Nichts. Oder doch?

Eine sicher spannende, oder törichte, Frage. Je nach Position.

Doch wenn man näher hinschaut lässt sich sehr wohl ein (in)direkter Zusammenhang herstellen.

Ahja, wird sich der geneigte Leser des Blogs nun fragen: „Wie soll das denn funktionieren?“

Ok, machen wir uns gemeinsam auf die Reise:
Über Albert Einstein viele Worte zu verlieren, auf seine  großartigen Leistungen hinzuweisen: Genau das erspare ich mir an dieser Stelle.
Neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten hat jedoch Albert Einstein auch eine ganze Menge an klugen, und manchmal auch hintersinnigen, tiefsinnigen und nachdenkenswerten Sprüchen hinterlassen.

Und genau diese weisen dann eben auch im Jahr 2014 eine sehr große Parallele zu Personen, aber eben auch zu IT-Tools wie dem Mumble der Piratenpartei auf.

Immer noch interessiert ? Na dann los. Stellen wir gemeinsam mal eine relative Theorie auf. Können wir.
Das erste Zitat mit dem ich Euch dann konfrontieren möchte ist folgendes:

Zeit ist das, was man an der Uhr abliest.

Kennen wir sicher alle. Oder eben fast alle. Zeit ist irgendwie relativ und doch wieder nicht. Aber was hat das mit Mumble zu tun?
Schauen wir uns an, was man auf Mumble so treiben kann, und was man dann wirklich mit der verfügbaren Zeit so alles anstellt. Dazu bemühen wir einfach mal eine Musterrechnung:

Durchschnittlich sind an den Wochentagen immer so ca. 50 Leute im Mumble unterwegs. Meistens natürlich Abends, denn tagsüber hat man in der Regel seinen Brotwerwerb. Ganz egal wie dann entsprechende AG-Sitzungen besucht werden (mal 2 Mitglieder, mal 15 – je – nach AG), oder der extrem große Zuspruch von bislang stattfindenden Sitzungen des Bundesvorstandes (auch schon mal bis 200 Teilnehmer) dann ist, wir nehmen einfach mal die 50. (Natürlich könnt Ihr hier gern eine Zahl Eurer Wahl einsetzen.

Nun wissen wir ja alle, dass bei der Piratenpartei jeder mitmachen und mitreden darf, egal ob Mitglied oder nicht. Dem konzedieren wir und sagen …. das von diesen angenommen 50 Teilnehmern cirka 50% Mitglieder der Partei sein. Und nein, es ist dabei völlig unerheblich ob zahlend oder nicht.
Bleibt uns ein Rest von Rest 25, der sich dann jeden Tag so zwischen 2 und 5 Stunden (nach Lust, Laune, Verfügbarkeit und Frustrationstoleranz) auf Mumble in  diversen Räumen herumtreibt. Also einigen wir uns hier auf durchschnittlich 3 Stunden. Okay ? Gut! Dann weiter. Ja, ich weiß, natürlich ist niemand die ganze Woche auf Mumble unterwegs. Irgendwann hat man ja auch mal ein Real-Life, eine vernachlässigte Freundin oder Frau oder einen Freund oder Kinder oder …… dem/der Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt werden will, soll, darf … oder auch muss. Einigen wir uns jetzt auf 3 Tage die Woche, die jeder der 25 Leutchen dann im Mumble zugange ist ? Ja ? Danke. Also weiter.

Und klar, Teilnahmen an AG´s, BuVo-Sitzungen oder thematischen Sitzungen finden dabei natürlich auch statt. Doch STOPP.
Vielmals beschäftigen sich diese Mumble-Runden auch mit „Themen“, die der Natur der Sache nach weniger produktiv sind, oder sein können. Dabei denken wir natürlich an all die heißen Diskussionen über Flaggengate, Bombergate, fehlende BuVo-Statements, rechtliche Beurteilungen von Handlungen ohne Jurist zu sein, pseudorechtliche Mutmaßungen und all dergleichen Dinge mehr, die scheinbar immer wieder „Spaß“ machen und unweigerlich die ungeteilte Aufmerksamkeit aus den anderen Räumen abziehen. Das kennt entweder jeder selber, oder kann es ganz leicht beobachten. Eintritt frei 🙂
Nun gut, wir wollen ja weiter rechnen.

Also gehen wir spaßeshalber einfach mal davon aus, dass 50% der Zeit der verbliebenen 25 Leutchen sich genau um diese Themen drehen. Dann bleiben schlanke 1,5 Stunden übrig, die sich tatsächlich mit effektiver thematischer oder sogar programmatischer Arbeit beschäftigt wird. Oder andersrum, 50% der Zeit gehen für Gates und Co drauf.
Und nun begeben wir uns gemeinsam auf die Spuren von Adam Ries und rechnen einfach mal:

25 Leutchen x 1,5 Stunden x 3 Tage = 112,5 h/Woche . Oooops, doch schon dreistellig. Genau!
Diese Zeit ist eben nicht nur das was man an der Uhr ablesen kann. Genau diese Zeit geht der Piratenpartei wöchentlich verloren. Verloren mit Themen und Diskussionen die einzig und allein den Zweck haben sich zu empören, mit Wissen oder Halbwissen zu glänzen, sich mit anderen Mitgliedern oder Vorgängen zu beschäftigen.

Schade. Schade auch deswegen, weil wir ja noch nicht am Ende des Rechenweges angekommen sind. Wir können das ja noch besser. Echt? Klar doch, also weiter.
Also nehmen wir uns die 112,5 h/Woche und rechnen dies  mal auf das Jahr hoch. Natürlich hat das Jahr 52 Wochen, von denen wir aber eben mal großzügig 8 Wochen pauschal für Abwesenheiten, Urlaube, Krankheiten und andere Dinge abziehen. Bleiben also summasummarum 44 Wochen. 44 Wochen x 112,5 Stunden ergeben dann die stattliche Summe von 4950 Stunden. Und da wir ja ganz geschickt und findig sind rechnen wir auch flugs mal aus, was das in Euro sein würde. Und dazu nehmen wir als Stundenlohn … genau, den gerade eben beschlossenen Mindestlohn.

Also weiter gerechnet sind das 4950 Stunden x 8,50 € = 42.075 Euro.

Genau. Richtig gelesen. Diese Summe wenden Mitglieder auf, um sich mit §Dingen zu beschäftigen. Mit $Dingen, die der Partei als Gebilde nicht sonderlich helfen. Die nicht in programmatische oder politische Arbeit münden.
Oder um bei der Stundenanzahl zu bleiben:

Wie viele Konzepte, Positionspapiere, Anträge, Blogbeiträge, Pressemeldungen, Programmweiterentwicklungen und so weiter könnte man mit diesen genau 4950 Stunden pro Jahr vollbringen? Oder auch nur den politischen Gegner außerhalb der Piraten in Verlegenheit bringen durch politische Arbeit? Oder Fragen zu aktuellen Themen stellen? Oder …
Diese Frage darf dann natürlich jeder für sich selber beantworten.
Nicht auszudenken, wenn wir diese Zeit nutzen würden.

Sicher, es werden viel mehr Stunden aufgebracht um diese Partei voranzubringen. Stunden vor Ort, in der Kommunalpolitik, bei Plakatieren oder Wahlkampf.
Dafür allein schon allen aktiven Piraten einen großen Dank für die Zeit, die Mühe, die Hingabe.

Dennoch finde ich es persönlich höchst bedauerlich, dass eine Partei trotzdem  so viel Zeit einfach wegwirft.

Und genau deswegen werfe ich Euch noch ein zweites Zitat von Albert Einstein um die Ohren:

Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.

Wie wahr. Wird sicher jeder von uns unterschreiben. Wir wollen gestalten.Verändern. Es anders machen. Es besser machen. Auch mal Dinge in Frage stellen. Doch genau bei diesen Themen wie oben beschrieben beschäftigen wir uns eben NICHT mit der Zukunft, sondern mit der Vergangenheit. Mit Fragen ob die Sandalen von einem ehemaligen Amtsträger der Partei irgendwann vor 2-3 Jahren geschadet oder genützt haben. Mit Fragen ob denn nun mehr Parteitage im Osten, Süden, Norden oder Westen stattgefunden haben. Mit Fragen ob gewisse Maße körperlicher Eigenschaften vorzeigbar sind oder nicht. Ihr kennt sie sicher alle selber diese Themen. Die Liste ist unerschöpflich. Und nervig. Und unsäglich. Und überflüssig.
Natürlich spräche nichts dagegen wenn man dies tut um zu analysieren, daraus zu die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.
Doch mal ganz ehrlich. Machen wir das ? Nein, eher wohl nicht.

Und genau deswegen ist es noch viel schlimmer um die Zeit, die wir da regelrecht vergeuden. Denn sie fehlt uns. An allen Ecken und Enden. Und kommt nicht wieder. Denn das ist nun wirklich nicht mehr relativ. Dies ist einfach ein Fakt.

Lasst uns also alle gemeinsam, jeder für sich, schauen, dass wir mit der verfügbaren Zeit wieder sinnvolles für die Piraten anstellen. Wie oben beschrieben diese in Konzepte, Positionspapiere, Anträge, Blogbeiträge, Pressemeldungen, Programmweiterentwicklungen oder andere hochspannende aktuelle, oder auch visionäre Sachen, stecken. Lasst uns einfach mal wieder dieses verflixte $Ding mit dem Namen Politik machen.

Die Zeit wartet nicht auf uns. Nutzen wir sie. Sinnvoll.

Und ja …. bevor jetzt jemand fragt: Natürlich hätte ich in der Zeit als ich diesen Blog geschrieben habe auch etwas sinnvolleres tun können. Sicher. Nur kann ich da beruhigt entgegnen, dass ich mir genau diese Zeit für das Schreiben des Blogs von der Schlafenszeit abgeknapst habe. Weil ich es wollte. Weil es mir wichtig war. Auch 2.30.

 

Kommentar verfassen