NSA, VDS und Dinosaurier – Der Irrtum von „Ich habe nichts zu verbergen“

Seit Monaten leben wir nun schon mit Edward Snowdens Enthüllungen über den NSA-Skandal. Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht eine neue, noch abstoßendere Information auftaucht, auf welchen Wegen wir durch die Geheimdienste bespitzelt werden. Ich erspare mir aus nachvollziehbaren Gründen hier auf mögliche Beiträge dazu zu verlinken, diese findet man bei Eingabe in einer Suchmaschine in einer schier unglaublichen Anzahl.

Aber nicht nur die NSA oder andere Geheimdienste sind von der Datensammelei besessen, auch die deutschen Politiker wollen nun wieder mit aller Macht die verdachtslose, anlasslose Massenüberwachung und Datenspeicherung vorantreiben und so schnell wie möglich einführen. Diese nennt sich aktuell „Vorratsdatenspeicherung“.

Erstaunlicherweise lassen all diese Entwicklungen die Bürgerinnen und Bürger relativ kalt und emotionslos, denn viele antworten auf Nachfragen einfach mit einem Schulterzucken und folgender Aussage:

„Überwachung? Betrifft mich nicht, ich habe doch nichts zu verbergen“.

Das, was so einfach und unschuldig klingt ist jedoch in Wirklichkeit das verschließen der Augen vor der bereits vorhandenen Realität. Die sich weit schlimmer gestaltet, als es sich Orwell in „1984“ je ausdenken konnte.

Doch bevor wir uns etwas mit dieser Aussage auseinandersetzen werfen wir einen kurzen Blick auf die technologische Entwicklung, insbesondere im Bereich der mobilen Kommunikation.
Warum? Darauf kommen wir gern zurück.

Noch vor gar nicht allzu langer Zeit benutze man das Mobiltelefon zum …… genau ….. zum Telefonieren. Maximal sendete man noch ein paar SMS und damit hatte es sich dann auch schon wieder. Mehr konnten die kleinen Dinger -ok, am Anfang waren das mehr Hundeknochen- auch nicht wirklich. Irgendwann wurden in diese Telefone dann Kameras eingebaut, um schnell und einfach Schnappschüsse aufnehmen zu können, ohne erst die High-End-Kamera aus der Wohnung holen zu müssen oder diese ständig umherzutragen.Nach und nach entwickelte man diese Telefone weiter, stattete sie mit einem mobilen Betriebssystem aus, erfand immer neue Anwendungsszenarien und natürlich auch jede Menge kleine Helferchen. Die Apps. Und da sich das alles so schlau anhörte, taufte man diese Dinger eben einfach „Smartphone“. Natürlich ging diese Entwicklung auch an den Bürgerinnen und Bürgern nicht spurlos vorüber.
Weltweit wurden 2013 knapp eine Milliarde Smartphones verkauft.

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Nimmt man die Jahre 2012 und 2913 zusammen, dann sind das weit über 1,5 Milliarden Smartphones, die über den Ladentisch wanderten. Diese Entwicklung wird sich auch nicht mehr umkehren, denn vielfach sind die kleinen Alleskönner nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Gleiches gilt im übrigen für die Tablets, die mehr und mehr den Standard-PC´s und Notebooks den Garaus bereiten.

Dazu kommen in den jeweiligen Stores der Anbieter noch einmal mehr als 2 Millionen (mehr oder weniger sinnvolle) Apps, die sich den Weg auf die Smartphones bahnen. 

Und was weltweit zu beobachten ist, trifft natürlich auch auf den Absatz der Smartphones in Deutschland zu. So wanderten im Jahr 2013 insgesamt 22 Millionen Smartphones zu den Käufern, während der Absatz der Standard-Mobiltelefone quasi abgestürzt ist.

Uns wo wurde das kleine und schlaue Helferin zu unserem täglichen Begleiter, der alles weiß was wir so treiben. Egal ob sich dabei um aktuelle Wetterberichte, Fußballergebnisse oder eben mal schnell ein Foto der Liebsten oder des Enkels handelt. Und mal ehrlich, wer schaltet sein Smartphone schon freiwillig aus (außer vielleicht im Ausland, wegen den Gebühren).

Dabei verdrängt man jedoch ganz schnell die Schattenseiten dieser Entwicklung. Je verbreiteter und beliebter bestimmte Betriebssysteme und Apps sind, desto interessanter werden diese für Hacker, aber eben auch für die allgegenwärtigen Geheimdienste.Natürlich liegt bei dieser Statistik auch Windows weit vorn. Doch alle die am Anfang nur über die Redmonder spöttelten, werden nun langsam aber sicher auch selbst davon betroffen sein.

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So ist es nicht verwunderlich, dass nunmehr auch bei Google und Co die Sicherheitsvorfälle und -risiken enorm zunehmen.Und diese wirken sich eben dann weniger in den Standard-PC´s aus, sondern in den so heißgeliebten und unentbehrlichen Smartphones und Tablets. Denn auf diesem Markt dominieren Google mit seinem System „Android“ und Apple mit „iOS“ den Markt extrem deutlich.

Hinzu kommen dann immer wieder bekannte Sicherheits- und Berechtigungsprobleme mit den Apps, die sich eben mal mehr Rechte herausnehmen als sie sollen, oder eben Daten unverschlüsselt durch die Gegend senden.
Beste Beispiele dafür sind die Taschenlampen-APP (will die Lokalisierungs-/Ortungsdienstedienste einschalten) und natürlich auch Whats-App (welches alle Daten unverschlüsselt sendet).

So, nun werden Sie sich natürlich fragen, was das alles mit Ihnen zu tun hat, denn Sie haben ja absolut nichts zu verbergen.

Richtig? Nein, leider falsch.
Denn eines haben alle Smartphones und Tablets gemeinsam, sie speichern auch in jedem Falle Metadaten von dem, was Sie mit Ihrem gerät so treiben. Und dabei geht es nicht nur um die Fotos, sondern auch Metadaten Ihrer Telefonate, wo sie sich aufgehalten haben, was sie bestellen und so weiter.
Dies wurde in einer Studie der Forscher aus der Universität Stanford sehr deutlich, auf die wir hier gern verweisen und zitieren:

 

„Wissenschaftler der amerikanischen Stanford-Universität haben jetzt eine Studie der besonderen Art auf Freiwilligen-Basis angelegt: Im Rahmen der Studie konnten Nutzer seit November 2013 die Smartphone-App „MetaPhone“  runterladen und den Forschern so Zugriff auf ihr Telefon ermöglichen. Anhand der Gerätelogs und Telefonhistorie ließen sich einige private Informationen gewinnen – beispielsweise zu Liebschaften, Religionszugehörigkeit oder gesundheitlichen Problemen.

Eine der ersten Erkenntnisse bezieht sich auf den Partner – die Stanford-Forscher konnten schon wenige Tage nach der Überwachung feststellen, mit welcher Person die Nutzer eine Liaison eingegangen sind. Paare telefonieren beispielsweise häufiger – fast täglich – miteinander und das auch zu späten Uhrzeiten. Zudem konnte nach kurzer Zeit festgestellt werden, dass 65 Prozent der Teilnehmer über vier oder weniger Ecken miteinander in Verbindung stehen. Besonders oft verzweigte Kontakte geben in diesem Rahmen einen Aufschluss darüber, in welchen Kreisen sich die Probanden bewegen – da Freunde nicht selten auch gleiche Auffassungen und Meinungen vertreten. Einen Aufschluss über das Milieu können wiederum auch Telefonate mit bestimmten Institutionen liefern – Kirchen, Parteizentralen, Nichtregierungsorganisationen und so weiter.

Ebenfalls aufschlussreich sind Verbindungen zu Ärzten oder Krankenhäusern – in der Studie haben 57 Prozent der Teilnehmer verschiedene Gesundheitsdienste angerufen. Wer sich relativ häufig bei einem Psychologen meldet, dem kann mit ziemlicher Sicherheit eine psychische Krankheit nachgesagt werden – das taten immerhin acht Prozent der Probanden. Ein anderes Szenario liest sich genauso erschreckend: Eine Frau, die nach einem Anruf ihres Frauenarztes ihren Partner kontaktiert und sich kurze Zeit später bei einer Abtreibungsklinik meldet, ist für ihre Überwacher mehr als nur ein offenes Buch. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sechs Prozent der Anrufer in Verbindung mit einem Sexual- oder Reproduktionsmediziner standen – eine zutiefst private Angelegenheit.“
Quelle: http://t3n.de/news/metadaten-brisant-stanford-studie-534512/

Richtig verstanden? Auch sehr vertrauliche Gespräche mit dem Arzt des Vertrauens, mit der Familie oder auch mit Kollegen aus der Firma sind ohne großen Aufwand auswertbar. Dabei haben die Stanforder Forscher in diesem Zusammenhang noch nicht einmal die Daten aus Lokalisierungsdiensten (wie Foursquare) ausgewertet, oder einfach mal in welcher Funkzelle sich das Smartphone eingeloggt hatte. Aus diesen Daten lassen sich dann munter Bewegungsprofile erstellen, die lückenlos de Tagesablauf, die Gewohnheiten und weitere private Informationen des Nutzers an das Tageslicht bringen. Und genau diese Daten können Geheimdienste (egal ob im Inland oder Ausland) bereits heute abgreifen.

Möglich macht dies unter anderem  BigData, wo mühelos alle Daten eines konkreten Nutzers zusammenführt, analysiert und entsprechend bewertet werden können.
Und seien wir doch an dieser Stelle auch mal ehrlich!

Was den Forschern der Stanford-Uni gelang, das ist bei den Geheimdiensten dieser Welt schon lange Standard.
Sie verfügen nicht nur über die entsprechenden Rechenerkapazitäten sondern vielmehr auch über die notwendigen Technologien um Daten aus aller Welt ohne Rückfrage aufzusaugen, einzusammeln und dann zu speichern. Dies sind doch genau die Erkenntnisse aus dem NSA-Skandal. Und das dabei die Geheimdienste auch Zugriff auf die beliebten Netzwerke wie Facebook haben, ist auch kein Geheimnis mehr.
Und das weiß auch jeder einzelne von uns.

Deswegen ist es wichtig, gegen die Auswüchse der Geheimdienste zu protestieren.
Deswegen ist es so wichtig, auch mal eine Petition mitzuzeichnen oder auf eine Demonstration zu gehen.
Deswegen ist es wichtig, das jeder einzelne von uns die geplante Vorratsdatenspeicherung der Bundesregierung vehement ablehnt und mithilft, sie zu Fall zu bringen.

Deswegen ist es wichtig sich und auch anderen klar zu machen, dass auch diejenigen betroffen sind, die „nichts zu verbergen“ haben.

Mach mit, informiere Dich und verteidige Deine persönliche Freiheit, deine Privatsphäre und werde nicht zum gläsernen Bürger. Denn die pausenlose Überwachung verändert unser aller Leben, unsere Gesellschaft und am Ende auch Dich und Deine Familie.

Wer jetzt immer noch meint, im Chor derjenigen mitsingen zu müssen die meinen  -„Überwachung? Ich habe doch nichts zu verbergen“-;  der darf dann gern versuchen seinen Kindern und Enkeln zu erklären, warum persönliche Freiheit und Privatsphäre ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten ist. Welches man im Geschichtsunterricht behandelt. Wie die Dinosaurier. Hoffen und kämpfen wir, dass werder Privatsphäre oder persönliche Freiheit das Schicksal der Dinsosaurier teilen müssen.

 

 

Quelle für Bilder: statista.de

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