Fake News – Bildung statt „Minitrue“

„Fake News“ gab es schon immer

Wir sind wohl alle schon einmal darauf hereingefallen. Als Kind. Als Jugendlicher. Als Erwachsener. Und nein, wir meinen nicht die aktuelle so heiß diskutierten „Fake News“. Sondern einfach die Tatsache, dass wir zum 01. April eines jeden Jahres immer wieder grübeln, ob das was wir hören oder lesen wahr ist. Oder auch nicht. Nur ist damals niemand auf die Idee gekommen, das „Fake News“ zu nennen. Es gehört einfach dazu. Und wir sind niemandem böse (meistens jedenfalls nicht). Oder fühlen uns belogen. Eine einfache Form von Fake News.

Oder man denke an die Meldungen zur Planerfüllung in der ehemaligen DDR und an und das, was wirklich geschah. Auch hier handelte es sich offensichtlich um „Fake News“. Allerdings wurden diese gezielt eingesetzt, um eine Gesellschaft hinsichtlich ihrer Meinung massiv zu beeinflussen.

Bereits hier wird deutlich, dass auch bei den Fake News etwas differenziert werden muss. Was ist also anders an dieser Diskussion, die wir jetzt führen?

Was sind Fake News

Schauen wir erst kurz, was Fake News eigentlich sind.

Vereinfacht ausgedrückt sind es »bewusste Falschmeldungen, die sehr gezielt und bewusst auf Skandalisierung und Empörung setzen. Manchmal auch Überraschung. Dabei sind diese Falschmeldungen so gut vorbereitet und auch aufbereitet, dass eine Unterscheidung von „echten Meldungen“ sehr schwierig ist. Oder es sind ganz einfach Lügen. Lügen die unter dem Deckmantel von „News“ verbreitet werden.  Je besser diese aufbereitet sind, je schockierender oder überraschender diese sind, desto eher sind wir bereit diesen auch Glauben zu schenken.

Vertrauenskrise

Inbesondere tun wir das dann, wenn wir den bisherigen vertrauenswürdigen Medien eben das Vertrauen entzogen haben. Hier spielen dann auch Begriffe wie „Lückenpresse“ oder „Lügenpresse“ eine ganz besondere Rolle. Denn sie suggerieren, dass alle Meldungen von diesen Medien nicht vertrauenswürdig sind. Faktisch gelogen. Und damit erlangen Kanäle eine Bedeutung, die sich abseits von jedem journalistischen Ethos bewegen (können). Gemeint sind hier die sozialen Netzwerke, egal ob Facebook, Google oder wer auch immer.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele der Nutzer diesen Medien eine höhere Glaubwürdigkeit einräumen, weil auch diese gefakten Meldungen in die bereits von Algorithmen berechnete  „Filterbubble“ passen.  Dazu haben die sozialen Netzwerke als ständiger Begleiter eine ganz andere Reichweite, also manch Tageszeitung oder auch Fernsehsender.  Und wir sind noch viel schneller bereit, diese Fake-News zu glauben, umso eher sie uns in unserem „Weltbild“ bestärken.

Und je tiefer der eigene Abstand zum vermittelten Bild aus den etablierten Medien ist, umso einfach sind Fake News an den mann zu bringen. Oder die Frau.

Gesellschaftliche Dimension

Mal unbeachtlich von irgendwelchen Wahlen, haben Fake News eine Wirkung, die uns als Demokraten nicht gefallen kann:

Fake News treiben die Spaltung der Gesellschaft voran.

Denn es existieren dann schlicht und ergreifend mindestens 2 Lager, die für sich in Anspruch nehmen, dass ihre Sichtweise der Realität entspricht. Das Ihre „News“ die einzig wahren sind und alles andere nur Lügen. Und je tiefer diese Spaltung geht, desto geringer wird die gemeinsame Gesprächsgrundlage. Bis sie irgendwann nicht mehr vorhanden ist.

Und ganz egal um welche Art von Krise es sich handelt: Ohne Kommunikation auf einer gemeinsamen (Grund)Basis lässt sich diese nicht lösen. Es geht als beileibe nicht nur darum wer am Ende Recht hat. Sondern um einen Grundkonsens in unserer demokratischen Gesellschaft.

Wir brauchen keine neuen Gesetze…

Das Thema wird seit kurzem immer breiter diskutiert.Auch im Rahmen der digitalen Charta wurde dieses Thema aufgegriffen. Aber auch seitens der Politik, die Angst hat, dass „russische Hacker“ mit gezielten Falschmeldungen den Wahlkampf im nächsten Jahr beeinflussen könnten. Natürlich war dieses reflexhafte Reaktion zu erwarten. Dabei wird wissentlich (?) unter  den Tisch gekehrt, dass wir bereits ausreichend gesetzliche Grundlagen haben, die sich auch in diesem Bereich mit strafbewehrten Sachverhalten auseinandersetzen. Es bedarf also keiner neue Gesetze, sondern einfach nur der konsequenten Anwendung.  Und wenn dann im Bereich der Judikative Personal fehlt, dann sind wir stark dafür, dieses Personal bereitzustellen.

… und auch kein Wahrheitsministerium (Abwehrzentrum)

Und natürlich musste auch das Innenministerium nach vorn preschen und seine eigene Lösung präsentieren. Und nicht ganz überraschend betitelt man das Ganze als „Abwehrzentrum gegen Desinformation“.  Die Heimat dieses Zentrums soll im Bundeskanzleramt sein.

Und spätestens an dieser Stelle fühlen wir uns an George Orwell und seinen Roman „1984“ erinnert, im dem dieser bereits das Ministerium für Wahrheit beschreibt („Minitrue“). Ein Ministerium (oder wahlweise „Abwehrzentrum“); welches alleinig entscheidet, was wahr ist und was nicht. Welche Meldung echt ist, und welche nicht. Was Fake-News sind, was nicht. Im Prinzip steckt dahinter die vollkommene Manipulation dessen, was wir als „Consumer“ denken und wissen sollen und dürfen.

Wir bewegen uns mit diesem geplanten Abwehrzentrum an der Grenze der von Artikel 5  des Grundgesetzes geschützten Meinungsfreiheit. Wir bewegen uns am Rand der Zensur.

Und wer glaubt, dass mittels dieses Abwehrzentrums die Spaltung der Meinungsgesellschaft aufzuhalten ist, der irrt ganz fatal. Denn jeder staatliche Versuch (egal ob mittels Abwehrzentrum oder Anpassung von Gesetzen um dies durch Dritte vornehmen zu lassen) wird noch mehr Bürger in die Hände der Fake-News-Macher treiben. Der Vorwurf der „Lügenpresse/Lückenpresse“, der gerade jetzt als Synonym und durch wenig Fakten untermauert ist, würde dann ganz neue Dimensionen annehmen.

Was wir stattdessen brauchen sind … starke und unabhängige Medien …

Wir haben ja bereits im Kapitel der gesellschaftlichem Dimension angedeutet, welche Auswirkungen sich für die Gesellschaft ergeben können. Wichtig ist dabei zu verstehen, dass die Ursachen dafür nicht primär in der Flüchtlingskrise zu suchen sind. Sondern vielmehr mit der immer stärker werden Kluft zwischen „arm und reich“. Zwischen den Diskrepanzen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft. Der „unverständlichen“ Bankenrettung und den auf der anderen Seite nicht vorhandenen Mitteln für mehr Sozialarbeit oder steuerliche Entlastungen.

Und ja, wir brauchen dafür auch eine starke und unabhängige Presse und auch unabhängige andere Medien. Bei denen diese Misststände unmissverständlich angesprochen werden, die kritisch nachfragen. Die auch die Interessen der (vermeintlich) Benachteiligten vertreten.

Solange den Medien allerdings durch eine zu unkritische Berichterstattung der Geruch der „Hofmedien“ anhaftet, solange werden wir das Problem der alternativen Medien und Netzwerke mit ihren nicht nachvollziehbaren Interessen und Methoden vor uns herschieben. Und damit das Problem nicht lösen.

… und vor allem BILDUNG

Viel wichtiger ist jedoch, dass wir uns selbst in die Lage versetzen zu erkennen, was richtig ist und was nicht. Und da dies im Leben ohnehin schon nicht immer einfach ist, ist es wichtig, dies zu trainieren. Dies den Kindern bereits „Arbeitsmittel“ an die Hand zu geben.  Das „richtige vom falschen“ zu unterscheiden. Auch in Zeitungen, Fernsehen und sozialen Netzwerken. Doch dies geschieht nicht von allein.

Deswegen ist Bildung in diesem Bereich der Schlüssel. Medienkunde als Pflichtfach für alle Schülerinnen und Schüler. Um zu lernen, wie man bei der Betrachtung und Bewertung von „Nachrichten“ vorgeht und wir man die zugrunde liegenden „Quellen“ betrachtet, bewertet.

Aber auch für die „ältere“ Generation ist das Erlangen dieser Fähigkeit eine wichtige Grundlage. Nicht nur um selbst Fake-News von wahren News zu erkennen. Sondern auch, um es unseren Kindern und Enkeln selbst vorleben zu können.

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