Facebook, die Werbung, Videos und bezahlte Nachrichten

Es ist ja immer so ein Kreuz mit der Werbung. Auch bei Facebook.

Während Google sich durch ein hervorragendes Öko-System und die Einnahmen aus dem klassischen Adword-Bereich ein werbefreies Netzwerk Google+ leisten kann, muss Facebook nunmehr auch sein Netzwerk monetarisieren. Dies nicht nur um die eigenen Einnahmen zu steigern, sondern auch um den Erwartungen von Anlegern und Analysten irgendwie gerecht werden zu können.

Natürlich wird dies auch durch Werbung erreicht. Meint man zumindest.

Denn einerseits ist Werbung auf Facebook mittlerweile so beliebt wie ein drittes Bein, so dass sich auch schon einige der Nutzer auf Grund dieses (und natürlich auch der Datenschutzproblematik) wieder abgewandt haben. Andererseits erreicht die auf Facebook vorhandene Bewerbung zwar durch Dauerbeschallung ein breites Publikum, diese wir jedoch durch den Nutzer kaum beachtet.

Was macht eigentlich die Wirksamkeit von Werbung in dieser Form aus.
In der Regel misst man dies mittels der Clickthrough-Rate.



Bemühen wir zur Erläuterung kurz die Erklärung aus Wikipedia:

„Die Click-Through-Rate (kurz: CTR; auch: Klickrate) ist eine Kennzahl im Bereich Internet-Marketing, welche die Anzahl der Klicks auf Werbebanner oder Sponsorenlinks im Verhältnis zu den gesamten Impressionen darstellt. Wird eine Werbung hundertmal angezeigt und dabei einmal angeklickt, beträgt die Klickrate 1 %.
Die Click-Through-Rate bewegt sich bei klassischer Bannerwerbung im World Wide Web ohne gezielten Einsatz meist im Promillebereich – auf 1000 Anzeigen kommen bisweilen nur ein oder zwei Klicks. Bei guter Abstimmung von Werbung und Anzeigenumfeld lassen sich mit demselben Werbemittel auch Raten zwischen 1 und 3 Prozent erreichen.[1] Neuere Werbeformen, die sich über die Webseite legen, gelangen hingegen nicht selten in den zweistelligen Prozentbereich, was auch mit „Fehlklicks“, also Klicks, die nicht der Werbung galten oder sie lediglich entfernen sollten, zusammenhängen kann.
Diese Verhältnisse müssen insbesondere Anbieter von Werbeflächen beachten, die Werbung annehmen, die per Klick statt per Anzeige bezahlt wird.“

Wie bereits oben angemerkt, ist das Klickverhalten der Facebook-Nutzer nun alles andere als dazu geeignet, die entsprechenden Klickzahlen zu erreichen.
Wenn man dann einmal die in dem Wikipedia-Auszug genannten Größen zwischen 1-3%  betrachtet und dann die wirklichen Facebook-Zahlen gegenüberstellt wird das Dilemma schnell sichtbar.
Schauen wir uns dazu einfach mal die Daten an.

Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/234220/umfrage/durschnittliche-clickthrough-rate-ctr-von-facebook-werbeanzeigen/


Relativ schnell wird deutlich, dass Facebook selbst im Ursprungsland (USA) keineswegs die Größenordnung von 1% erreicht, sondern konstant darunter bleibt.
Umso bedenklich, wenn man sich die Entwicklung anschaut. Hier wird deutlich, dass die Werbung auf den klassischen Kanälen allein nicht dazu geeignet ist, die CTR zu erreichen bzw. die entsprechenden Einnahmen zu produzieren.
Im Verlauf der Entwicklung ist vielmehr damit zu rechnen, dass dieses Modell auf Grund der ständig zurückgehenden CTR nicht das alleinseligmachende Einnahmemedium bleiben kann.

Dazu kommt ein weiteres Problem bei Facebook. Durch die vermehrte Nutzung von Smartphone und Tablets schwinden die Klickzahlen aus dem klassischen Desktop-Bereich der Anwendung. Dummerweise ist Facebook bis jetzt noch keinen durchschlagende Möglichkeit eingefallen, wie man auch auf den mobilen Endgeräten Werbung so platzieren kann, dass sie den Nutzer erreicht und der dann auch auf diese klickt.
Während ersteres sicherlich durch technische Weiterentwicklungen durch Facebook in den Griff zu bekommen ist, wird die Schwierigkeit weiterhin darin bestehen, sowohl die Akzeptanz beim Nutzer als auch die CTR in diesem Bereich voranzutreiben.

Was also liegt näher, sich weitere Geschäftsmodelle auszudenken. So nun mittlerweile auch geschehen.

Bislang dümpelte das Nachrichtensystem von Facebook mehr oder minder vor sich hin. Dies war auch  ein Grund, warum Facebook seinerzeit mal eben ohne Nachfrage beim Nutzer die eigene Facebookmailadresse als Voreinstellung 

(siehe hier: http://smegworx.blogspot.de/2012/06/langsam-reicht-es-facebook.htmlreinsetze.
Gut war allerdings, dass Nachrichten die nicht von Freunden stammten automatisch unter „Sonstiges“ einsortiert wurde. Dies hatte zumindest den Charme, dass nervende Werbe-Mails nicht den Posteingang verstopften.

Doch damit könnte es bald ein Ende haben.

Facebook testet derzeit (nach eigenen Aussagen einen Probelauf) eine Funktion, bei der ich für die Zahlung von 1$ auch Nachrichten dann an bisher Unbekannte bzw. Nicht-Freunde versenden kann und diese dann automatisch im normalen Posteingang zugeordnet wird. Neben den Nachrichten der Freunde. 

Bislang dürfen an diesem Versuch nur Privatpersonen teilnehmen, was die Gefahr einer Spamwelle erst einmal eingrenzen dürfte. Ebenso wird der momentan festgelegte Preis (1$). Auch beim Preis wird sich noch nicht endgültig festgelegt.
Man muss aber kein großer Prophet sein um zu erahnen, dass dies natürlich nur eine Beruhigungspille ist. Denn wenn dieser Testlauf auch nur halbwegs erfolgreich laufen sollte, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass diese Funktion auch Unternehmen angeboten wird. 

Und noch ein weiteres Vorhaben dürften den Nutzern sauer aufstoßen.

Nachdem Facebook ja nun mittlerweile selber erkannt hat, dass die bisher praktizierte Form der Werbung nicht wirklich den gewünschten Erfolg bringt, hat man sich flugs überlegt, diese Werbebotschaften zukünftig als Video im Stream des Nutzers einzublenden. 

Diese darf dann maximal 15 Sekunden lang sein, soll sich aber automatisch starten !

Während das am klassischen PC noch völlig egal ist, da hier in der Regel via W-Lan und Flatrate gesurft wird, dürfte es den Nutzern von Smartphones und Tablets echt sauer aufstoßen.

Denn das für die Videos benötigte Datenvolumen wird um ein vielfaches höher sein als die bisher verwendeten Werbeformen. Und wer nach Ausschöpfung des unlimitierten Zugangs dann auf GPRS-Geschwindigkeit gedrosselt wird, der hat dann selbst bei normalen Webseiten keine wirkliche Freude mehr am Surfen via Tablet/Smartphone.

Ob all diese Maßnahmen, die Facebook mehr Einnahmen bescheren soll, dann allerdings wirklich dazu geeignet sind die entsprechende Aufmerksamkeit und das Wohlwollen des Benutzers zu erhöhen darf dahingestellt bleiben.

Sollte Facebook den Bogen überspannen, dann dürften sich die Nutzerzahlen wieder rückläufig bewegen. Wie sensibel Nutzer mittlerweile auf derartige ungefragte und nutzerunfreundliche Veränderungen reagieren durfte erst vor wenigen Tagen Instagram erfahren.


Es bleibt also ein spannendes Jahr für Facebook.

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