Die Alten sind Schuld …

Lasst mich bitte vorab eines klarstellen:

Weder kann ich mit PEGIDA in irgendeiner Form symphatisieren, noch finde ich die Beteiligung von Rechtsradikalen und Neonazis an diesem auch nur ansatzweise gut.

Auch die sogenannte „Islamisierung des Abendlandes“ ist schlicht und ergreifend großer Quatsch.

Doch was sich nun diesbezüglich der Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in einem Interview mit dem Spiegel herausnimmt spottet nicht nur jeder Beschreibung, sondern ist eine Beleidigung für jeden halbwegs intelligenten Menschen und eine  vor allem ein Schlag ins Gesicht unserer Senioren. 

Spiegel gegenüber erklärte Schäuble [1]:

„Eine wachsende Zahl der Älteren ist heute mehr oder weniger frei von materiellen Sorgen, und darum machen sich manche eben andere Sorgen …“

Immer, wenn es den Menschen gut gehe, wollten sie festhalten an dem, was ihnen gefalle.

„Und sie sind leichter ansprechbar für Populisten, die ihnen versprechen, alles könnte von nun an so bleiben, wie es ist.“

Nun darf man sich wirklich fragen ob Herr Schäuble denn überhaupt eine Ahnung hat wovon er spricht. Dazu schauen wir einfach mal auf das Thema „Altersarmut“, welches in Deutschland ein großes Problem darstellt und auch in Zukunft nicht besser wird.

Immer, wenn es den Menschen gut gehe, wollten sie festhalten an dem, was ihnen gefalle. „Und sie sind leichter ansprechbar für Populisten, die ihnen versprechen, alles könnte von nun an so bleiben, wie es ist.“

altersarmut

Quelle: statista.de

 

Die Zahlen sagen eben dann doch etwas ganz anderes, als uns Schäuble weismachen möchte. Die Altersarmut liegt bei den 65-jährigen und Älteren jetzt schon bei 16% und wird in den nächsten Jahren dramatisch zunehmen.

Mal ganz davon abgesehen gibt es jetzt bereits in Deutschland 20% der Bevölkerung, die in Armut leben oder unmittelbar davon betroffen sind.

Und bei einer Durchschnittsrente von knapp 690 € kann man auch nicht mehr davon sprechen, dass ein menschenwürdiges Leben im Alter auch nur ansatzweise möglich wäre. Das man dazu über 28 Jahre ein monatliches Einkommen von 2900 € bräuchte, scheint Herr Schäuble auch auszublenden [2]. Insbesondere im Osten des Landes, den einst Helmut Kohl blühende Landschaften versprach, und nur die bisherigen Bundesregierungen nur blühende Arbeitslosigkeit und Armut zurückgelassen haben.

Setzt man nun die Aussage von Schäuble dagegen ist es schon ein schlechter Witz wenn man davon spricht, dass die Senioren „… mehr oder weniger frei von materiellen Sorgen ….“ sind. Vielmehr sind es genau diese extremen materiellen, und damit Existenzsorgen, viel eher der Grund, warum sich Menschen aller Altersschichten, darunter auch ältere Menschen gegen die aktuelle Politik wenden. Ganz egal ob sie dies nun in einer Partei, einer NGO oder auf der Straße tun.

Ich rate Herrn Schäuble sich einfach mit normalen Bürgern zu unterhalten, und nicht immer nur mit Parteikollegen oder Lobbyverbänden aus der Wirtschaft und dem Bankensektor. Eine schwarze Null nützt allen Menschen nichts, die heute nicht wissen wie sie morgen das Überlebensnotwendige beschaffen sollen; nützt denen nichts, die im Alter so arm sind, dass ihnen nur noch die Rente der Grundsicherung bleibt. 

Ohne Hoffnung auf einen angemessenen, sorgenfreien und sehr wohl verdienten Lebensabend.

Es braucht als keine dümmlichen Belehrungen, Beleidigungen der Alten  oder sinnfreier  Analysen von Herr Schäuble, sondern eine andere Sozialpolitik, die den Menschen ihre Würde zurückgibt.

Herr Schäuble, stellen Sie sich dieser Verantwortung.

Quellen:

Bilder: statista.de

[1] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wolfgang-schaeuble-bezeichnet-pegida-als-phaenomen-der-altersgesellschaft-a-1013339.html#ref=rss

[2] http://www.welt.de/wirtschaft/article133975279/Altersarmut-wird-in-Deutschland-zum-Alltag.html

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