Autonomes Fahren – Es gibt noch viel zu tun

Da ich nun das Vergnügen haben, meinen Sohn jeden Morgen 4.45 Uhr zur Frühschicht zu fahren (in Ermangelung öffentlicher Verkehrsmittel, die um diese Zeit fahren wollen würden), fallen mir so Sachen im Straßenverkehr auf.

Nein, dass in Franken das Blinken reine Glückssache ist es nicht. Daran hab ich mich gewöhnt.

Vielmehr sind es die Fahrer, die meinen sich über jedes Geschwindigkeitslimit hinwegzusetzen, nur um an der nächsten roten Ampel erster zu sein. Und dabei sind in Nürnberg die Ampeln so geschalten, dass man ohne wiederkehrendes abruptes Beschleunigen und Bremsen auf einer „grünen Welle“ surfen kann. Aber was solls, Hauptsache erster.

Oder die Fahrer, die innerorts beim Anblick eines LKW vor ihnen panisch den „Überholmodus“ einschalten, damit sie auch wirklich vor dem LKW an der nächsten roten Ampel stehen. Das dabei manchmal alle guten Sitten über Bord geworfen werden … auch an diesen Anblick hat man sich leider gewöhnt.

Oder vielleicht die Fahrer, die offensichtlich das Reißverschlusssystem üben wollen und sich wild von links nach rechts und umgekehrt in jede noch so kleine Lücke quetschen müssen. Das dabei Blinken Glückssache ist hab ich erwähnt, oder ? Das dabei auf Sicherheitsabstände gepfiffen wird, oder man den nachfolgenden Verkehr zum Bremsen zwingt, auch das ficht diese Spezies nicht an. Hauptsache Lücke. Hauptsache vorbeigemogelt. Hauptsache an der nächsten Ampel mindestens als 2. stehen … und auf Grün warten.

Oder der morgendliche Stau, übrigens auch heute wieder, weil 1 LKW-Fahrer dem anderen hinten drauf brettert und dann mal eben noch ein kleines bisschen Ladung verliert. Ob es Übermüdung war oder einfach Unachtsamkeit spielt an dieser Stelle keine Rolle. Das dann auf Grund des sich blitzartig bildenden Staus viele auf den Weg machen, und den Stau durch die Innenstadt umfahren, schon mehr. Weil dies, und die oben beschrieben Verhaltensmuster dann das Fahren durch die Stadt noch mehr zum „Erlebnis“ machen.

Und wenn man dies so beobachtet fallen einem die  Meldungen von “Audi“, „Uber“ und „Ford“ ein. Audi möchte mit Verkehrsampeln kommunizieren, Uber das fahrerlose Taxi und Ford möchte 2021 autonome Fahrzeuge serienreif auf den Markt bringen. Und eingedenk des morgendlichen „Erlebnisses“ denk ich dann:

Ja. Her damit.

  • Keine sinnfreien Raser mehr, die in jede Lücke hopsen, weil das Auto selbst erkennt, welche Geschwindigkeit die richtige ist.
  • Keine Lückenspringer mehr, weil das Auto selbst erkennt, welche Sicherheitsabstände einzuhalten sind.
  • Surfen auf der „grünen Welle“, weil durch die Kommunikation mit den Ampeln die richtige Geschwindigkeit ausgewählt wird.
  • Keine Unfälle mehr durch übermüdete oder unaufmerksame LKW-Fahrer, weil die intelligenten Bordsysteme durch Kommunikation mit anderen Fahrzeugen vorher eingreifen. Bevor es knallt.
  • Keine überlasteten Innenstädte mehr durch „Stauumfahrer“, weil Unfälle vorher reduziert werden und damit der Verkehr flüssig läuft.

Und übrigens auch weniger Verkehrstote auf Landstraße, weil die Systeme erkennen, wenn jemand rast … und vorher eingreifen. Bevor wieder Mütter den Tod ihrer jungen Töchter und Söhne beweinen müssen.

Und vielleicht auch komplett autonome Fahrzeuge, die Discobesucher heimfahren. Ohne dass dabei der Alkoholgehalt der Insassen eine Rolle spielt.

Und vielleicht am Ende auch noch ein Beitrag für die Umwelt, wenn sich durch die angepassten Fahrweisen auch der CO2-Ausstoß verringern lässt.

Alles paletti?

Naja, nicht ganz. Denn 4 Herausforderungen müssen noch gelöst werden, damit das alles auch wirklich funktionieren kann. Und hierbei geht es nicht nur um Technik.

  1. IT-Sicherheit 
    Gerade in den letzten Wochen häufen sich Meldungen über geklaute Passwörter, Unternehmensdaten etc. Eine wichtige Herausforderung wird demnach darin bestehen, die in den Fahrzeugen verwendeten IT-Systeme so sicher zu machen, dass ein Eingriff von Außen (Hacker etc.) nicht möglich ist.
    nichts wäre schlimmer als der Gedanke, dass sich die Fahrzeuge in eine Art „Verkehrs-Bot-Netz“ verwandeln und so manipuliert werden, dass der Verkehr lahmgelegt werden kann. Bis hin zu Szenarien, die auch einen terroristischen Hintergrund haben könnten.
  2. Verlässlichkeit der Systeme
    Es wurde ja nun schon oft genug über die Unfälle der selbstfahrende Fahrzeuge berichtet. Die nicht alle glimpflich abgelaufen sind.  Insofern ist es eine zwingende Voraussetzung, dass die verbauten Systeme auf der BAsis von AI und KI so ausgereift sind, dass eben genau diese Unfälle oder andere Vorkommnisse nicht nur im Labor unterbleiben, sondern auch in Echtzeitbedingungen. Dies erreicht man naturgemäß nicht, wenn jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht, sondern wenn man hier auch auf Standards, und ich meine möglichst offene Standards, setzt.
  3. Breitbandnetz und Finanzierung 
    Um dies „Car-2-Car“-Kommunikation oder die Kommunikation mit Verkehrsleitnetzen und Ampeln zu ermöglichen bedarf es des Funknetzes. Auf Grund der Sensibilität des Verkehrs und der notwendigen Reaktionszeiten der Systeme bedingt dies aber auch, dass flächendeckend das schnellste verfügbare Breitbandnetz vorhanden sein MUSS. Wenn dann, wie in vielen Gebieten nur eine EDGE-Anbindung vorhanden ist, dann knallt es, bevor überhaupt irgendein System im Fahrzeug reagieren kann. Dies bedeutet dann auch mindestens bundesweit LTE, wenn nicht gar 5G. Bleibt die Frage wer den Ausbau finanziert. Und hier können sich dann auch die Autohersteller nicht mehr aus der Verantwortung stehlen, sondern müssen einen finanziellen Beitrag leisten. Denn ansonsten funktionieren die dann angepriesenen Fahrzeuge schlicht nicht. Jedenfalls nicht wie im Hochglanzprospekt versprochen.
  4. Haftung und Rechtsfragen
    Eins der meistdiskutierten Themen ist die Frage, wer denn haftet wenn es denn wirklich mal knallt. Haftet der Fahrer/Halter des Fahrzeugs, wie bisher auch ? Oder haftet der Fahrzeughersteller, weil die Systeme nicht so funktionieren wie versprochen? Oder der Funknetzbetreiber, weil das Netz ausfiel und demzufolge die Assistenzssysteme nicht reagieren konnten ?
    Dies sind nur einige Fragen die dringend zu klären sind. Bevor die „autonomen“ Fahrzeuge dann Realität werden. Selbst die Ethik-Kommision“ sowie der Gesetzentwurf aus dem Verkehrsministerium geben da keine wirklich sinnvollen Antworten.
  5. Datenschutz 
    Klar, je mehr Assistenzsysteme in den Fahrzeugen verbaut sind, desto mehr Daten werden erfasst, ausgewertet, ausgetauscht. Ganz egal ob jetzt „Car-2-Car“, oder Daten die dem Hersteller übermittelt werden, oder Daten die mit den Verkehrsleitsystemen ausgetauscht werden. Oberstes Gebot muss es dabei sein, dass der Halter/Fahrer des Fahrzeugs darüber informiert ist und zustimmt, welche Date zu welchen Zweck erhoben, ausgetauscht, verarbeitet und gesammelt werden.

Die informierte Einwilligung nach BDSG sehe ich hier als zwingendes Instrumentarium an. Nur dann kann jeder selbst entscheiden, ob ihm der Datenschutz (und damit weniger Assistenten) oder der Komfort (dafür Datenverwendung zustimmen) wichtiger ist.

 

 

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